Großbrand im Kehlsteinhaus am Obersalzberg: Verdacht auf Brandstiftung
Verdacht auf Brandstiftung: Das für Adolf Hitler gebaute Kehlsteinhaus im früheren Nazi-Sperrgebiet Obersalzberg ist in Flammen aufgegangen. Die Löscharbeiten in Berchtesgaden dauerten am Samstagvormittag noch an, wie das Polizeipräsidium Oberbayern Süd in Rosenheim mitteilte. Verletzt wurde demnach niemand, eine "verdächtige Person" wurde festgenommen. Die Kriminalpolizei übernahm die Ermittlungen wegen des Verdachts auf Brandstiftung.
Nach Angaben der Polizei löste ein Rauchmelder des Kehlsteinhauses am Freitagabend gegen 21.50 Uhr Brandalarm aus. Die alarmierten Feuerwehren sahen bei der Anfahrt hoch aufschlagende Flammen, vor Ort wurde dann "der Vollbrand des Gebäudes feststellt".
Die Anfahrt zum in 1834 Metern Höhe befindlichen Brandort sowie die Löscharbeiten gestalteten sich schwierig, wie Polizeisprecherin Lisa Maier sagte. "Man kann nur mit schwerem Atemschutz in das Gebäude hinein." Die Einsatzkräfte fanden niemanden in dem Gebäude vor, es gab keine Verletzten.
Eine Wetterkamera mit Blick auf das Kehlsteinhaus zeigte das Ausmaß des Brandes. Die Polizei sperrte die Straße, die zu dem Gebäude führt, wie eine Fotografin der Nachrichtenagentur AFP beobachtete.
Rund 200 Rettungs- und Einsatzkräfte von Feuerwehren waren im Einsatz, um den Großbrand in dem denkmalgeschützten Gebäude unter Kontrolle zu bringen. Zur Brandursache konnten noch keine Angaben gemacht werden. "Die kriminalpolizeilichen Ermittlungen laufen", sagte Maier. Weitere Einzelheiten sollen am Nachmittag bei einer Pressekonferenz in Berchtesgaden vorgestellt werden, an der unter anderem der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) teilnehmen will.
Kurz nach Ausbruch des Feuers geriet "eine verdächtige Person in den Fokus der Ermittler", wie die Polizei weiter mitteilte. Diese wurde vorläufig festgenommen. "Ob die Person in Zusammenhang mit dem Brand steht, ist derzeit Gegenstand der kriminalpolizeilichen Untersuchungen", hieß es.
Die "Bild"-Zeitung berichtete, auf ihrem Weg zum Einsatzort sei den Beamten ein Motorradfahrer entgegen gekommen. Dieser sei später festgenommen worden.
Rund um das Kehlsteinhaus wurde eine Flugverbotszone für Drohnen eingerichtet. Zudem bat die Polizei Wanderer und Bergsteiger, das Gebiet "großräumig" zu meiden.
Das 1937/38 erbaute Kehlsteinhaus bei Berchtesgaden war Teil des sogenannten Führersperrgebietes Obersalzberg und sollte Hitler als Repräsentationsgebäude dienen. Den Zweiten Weltkrieg überstand das Gebäude unbeschadet. Seit 1952 wird es als Gaststätte genutzt, eine Ausstellung erinnert an die Geschichte des Hauses. Mit 350.000 Besuchern pro Jahr ist das Kehlsteinhaus eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Bayerns.
M.Powell--SFF