"Rassistischer Terroranschlag": Ein Toter bei Angriff in Pariser Vorstadt
Bei einem offenbar rassistisch motivierten Anschlag auf offener Straße im Großraum Paris hat ein Mann einen Menschen erschossen und fünf weitere verletzt. Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron sprach am Freitag von einem "rassistischen Terroranschlag". Der polizeibekannte Angreifer konnte festgenommen werden. Die französische Anti-Terror-Staatsanwaltschaft übernahm die Ermittlungen zu dem Angriff, bei dem auch ein zwölfjähriges Mädchen schwer verletzt wurde.
Den Behörden zufolge eröffnete der Mann am Vormittag in Trappes westlich von Paris und im nahegelegenen La Verrière das Feuer. Der Bürgermeister von Trappes, Ali Rabeh, sagte dem Sender BFMTV, der Angreifer habe aus seinem Fahrzeug heraus geschossen und ein "Blutbad" anrichten wollen. Es sei "ein Wunder, dass wir nicht mehr Opfer haben". Es habe "zahlreiche Schüsse in verschiedenen Stadtteilen" von Trappes gegeben.
Die Attacke sei "objektiv ein Anschlag mit rassistischer, wahrscheinlich islamfeindlicher Konnotation" gewesen, sagte der Bürgermeister weiter. Das Todesopfer sei "afrikanischer Herkunft", ein Verletzter in Lebensgefahr sei zudem "maghrebinischer Herkunft".
Dem Bürgermeister von La Verrière, Nicolas Dainville, zufolge waren unter den Verletzten außerdem zwei Reinigungskräfte "afrikanischen Typs". Dainville sagte der Nachrichtenagentur AFP, ein zwölfjähriges Mädchen sei in La Verrière von acht Kugeln "schwer verletzt" worden. Ihr Zustand sei mittlerweile jedoch "stabilisiert".
Die französische Anti-Terror-Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren wegen "Mordes im Zusammenhang mit einer terroristischen Vereinigung" ein. Die Tat sei "aufgrund der tatsächlichen oder vermeintlichen Zugehörigkeit zu einer angeblichen Rasse, Ethnie, Nation oder bestimmten Religion begangen" worden.
Der Schütze wurde nach Angaben aus Polizeikreisen kurz nach der Tat im nahegelegenen Coignières festgenommen. Der 1987 geborene Kévin T. wohnt demnach in Plaisir, nur wenige Kilometer vom Tatort entfernt. Der vorbestrafte Mann sei im Besitz einer Maschinenpistole und von Tränengasgranaten festgenommen worden.
In seiner Wohnung hatte der Mann nach Angaben der Staatsanwaltschaft eine Art Sprengfalle mit drei Gasflaschen, Drähten und einer Zeitschaltuhr errichtet.
Frankreichs Innenminister Nuñez besuchte nach dem Angriff die beiden Gemeinden im Département Yvelines. Es handele sich "eindeutig um ein terroristisches Verbrechen", sagte Nuñez vor Journalisten. Die "äußerst schwere Tat" habe knapp eine Viertelstunde gedauert, ehe fünf Sicherheitsbeamte den Schützen festgenommen hätten.
Auch Macron besuchte Trappes. Premierminister Sébastien Lecornu bezeichnete den Fall auf X als "sehr ernst".
Die Stimmung in Frankreich ist derzeit angespannt. Am Wochenende war es am Rande von Demonstrationen gegen hohe Lebenshaltungskosten und Missstände im Bildungssystem zu massiven Ausschreitungen gekommen. Tausende Geschäfte wurden geplündert, Rathäuser und Polizeistationen angegriffen und Gebäude in Brand gesetzt. Als Reaktion darauf wurden in mehreren Großstädten nächtliche Ausgangssperren verhängt.
E.Cruz--SFF