Präsidenten-Stichwahl in Peru: Offenbar sehr knapper Sieg für Fujimori
Bei der Stichwahl um das Präsidentenamt in Peru hat die rechtsgerichtete Kandidatin Keiko Fujimori offenbar einen sehr knappen Sieg eingefahren. Wie die Wahlbehörde am Dienstag (Ortszeit) nach Auszählung von 99,86 Prozent der Stimmen mitteilte, liegt Fujimori mit 50,12 Prozent vor ihrem linksgerichteten Rivalen Roberto Sánchez mit 49,88 Prozent. Sánchez erklärte, er werde eine Regierung von Fujimori nicht anerkennen und prangerte "schwere" Unregelmäßigkeiten vor allem bei der Briefwahl im Ausland an.
Die 51-jährige Fujimori ist die Tochter des früheren Präsidenten Alberto Fujimori, der Peru von 1990 bis 2000 mit harter Hand regierte und die Politik seiner Tochter bis heute prägt. Von seinen Anhängern wird er dafür gefeiert, dass er die linken Rebellen von der Guerillaorganisation Leuchtender Pfad besiegte und die peruanische Wirtschaft stabilisierte. Später wurde er wegen Menschenrechtsverletzungen und Korruption verurteilt und saß 16 Jahre im Gefängnis. Er starb 2024.
Keiko Fujimori trat bereits zum vierten Mal in Folge bei einer Präsidentschaftswahl an. Nach der Stichwahl am 7. Juni liegt sie nach Angaben der Wahlbehörde nun mit einem Vorsprung von mehr als 43.000 Stimmen vorne - nur etwa 39.000 Stimmen mussten noch ausgezählt werden.
Ausschlaggebend für den Wahlausgang war offenbar die starke Unterstützung für Fujimori durch Exil-Peruanerinnen und Peruaner in den USA und Japan, die rund 300.000 Stimmen abgaben. Sánchez geht davon aus, dass er ohne die Auslandsstimmen mit einem Vorsprung von rund 25.000 Stimmen gewonnen hätte. Er hatte bereits am Montag beim Nationalen Wahlgericht die Annullierung der Auslandsstimmen beantragt. Am Dienstag wurde sein Antrag aber abgelehnt. Fujimoris Partei kündigte an, sich erst nach Abschluss der Auszählung zum Wahlausgang zu äußern.
Fujimori hat für den Fall eines Wahlsiegs ein hartes Durchgreifen gegen Kriminalität und irreguläre Migration angekündigt. Sánchez, der zum ersten Mal kandidierte, trat für die Rechte der armen Landbevölkerung ein und forderte eine Reform von Polizei und Justiz. Unterstützt wurde der 57-jährige Abgeordnete von Anhängern des linken Ex-Präsidenten Pedro Castillo, der wegen eines versuchten Staatsstreichs im Gefängnis sitzt.
Der Wahlkampf war geprägt von Gewalt und Wut auf die politisch Verantwortlichen, die viele Wählerinnen und Wähler für die seit Jahren herrschende Instabilität im Land verantwortlich machen. Sánchez wirft Fujimori vor, zu der politischen Krise beigetragen zu haben. Ihre Partei habe den Sturz mehrerer Präsidenten mitzuverantworten. Der knappe Ausgang der Stichwahl zeigt, wie tief gespalten die peruanische Gesellschaft immer noch ist.
Die Stichwahl fand bereits am 7. Juni statt. Die Stimmauszählung hatte sich schon bei früheren Wahlen in dem südamerikanischen Land lange hingezogen: 2021 dauerte es fast sechs Wochen, bis das endgültige Ergebnis der Stichwahl bestätigt wurde.
C.Williams--SFF